Am 14. März 2026 steht Amin aka. B-Boy Amin Drillz bei der Eröffnungszeremonie des Wiener HipHop Balls auf der Bühne – gemeinsam mit der renommierten Tanzschule Elmayer, Beatboxer fii und Tänzerin Kitti Farkas. Es ist ein Brückenschlag zwischen Hochkultur und urbanem Ausdruck, zwischen Klassik und Breaking. Für Amin ist es mehr als nur ein Auftritt. Es ist ein Kapitel in einer Geschichte, die vor 18 Jahren in einem Wohnzimmer begann – mit einem Film auf DVD.
Eine Szene, ein Impuls, ein Ziel
„Ich glaube, der erste Funke war Step Up 2“, erzählt Amin. Damals war er mit seiner Familie im Iran, als seine Tante eine Tasche voller Filme mitbrachte. Einer davon war Step Up 2. Der Film wurde zu seinem Wendepunkt. „Ich war fasziniert von den Powermoves, den Charakteren, der Energie. Ich wollte das auch können – so cool sein.“ Zurück in Deutschland, damals in einer Kleinstadt in NRW, war Breaking aber weit weg. Die lokale Tanzschule bot Kinderchoreos, aber keine Bodenarbeit, keine Akrobatik und vor allem nur feste Choreographien ohne Freiheit an, nicht das, was er gesucht hatte. Also probierte Amin anderes: Kampfsport, Skateboarding, Parkour. Doch die Sehnsucht nach Breaking blieb. Jahre später, an Weihnachten, bat er seine Mutter: kein Geschenk, nur bitte eine Möglichkeit, Breaking zu lernen. Sie fand eine E-Mail-Adresse von einem abgelaufenen Workshop – die Nachricht landete bei einer Crew in Osnabrück, die sie weiterleitete zu den
Last Action Heroes
Die Crew lud ihn ins Jugendzentrum ein – jeden Tag von 17 bis 20 Uhr. Amin war elf, als er zum ersten Mal den Raum betrat. „3 Jungs, alle älter, coole Kleidung, laute Musik – es war wie ein Film. Und ich wusste sofort: Das ist es.“ Er kündigte alle anderen Hobbys. Fortan fuhren ihn seine Eltern regelmäßig 40 Minuten zum Training – anfangs warteten sie sogar die drei Stunden.

Ohne meine Eltern wäre das alles nicht möglich gewesen. Sie sind meine größten Supporter.
Seine Crew, The Last Action Heroes, wurde zur Familie. Im Trainingsraum zählte nur eines: die Liebe zum Tanzen. Herkunft, Aussehen, Können – alles zweitrangig. „Ich konnte einfach ich sein. Es gab kein Richtig oder Falsch, nur Spaß und Fortschritt. Das war mein Ort.“
Vater als großes Vorbild
Während der Film den Impuls gab, war es sein Vater, der das Fundament legte. Ein passionierter Kampfsportler, der bis heute täglich trainiert. „Von ihm habe ich gelernt, dass man Disziplin braucht, wenn man in etwas gut werden will. Dass man einen Weg wählt – und ihn geht.“ Dieses Prinzip übertrug Amin auf Breaking. „Ich wusste: Das ist mein Lebensweg. Ich mache das jeden Tag.“ Auch philosophisch beeinflusste ihn der Kampfsport. „Mein Vater hat mir beigebracht, dass Körper und Geist gemeinsam wachsen müssen. Dass alles, was ich erlebe, Teil meiner Kunst ist.“
Zwischen zwei Kulturen
Amin ist halb Iraner, halb Österreicher. Geboren in Wien, aufgewachsen in Deutschland. Er kennt kulturelle Vielfalt – und den Spagat dazwischen. „In Herford war ich immer irgendwie anders. Nicht ausgeschlossen, aber doch nicht ganz Teil davon. Breaking hat mir Identität gegeben. Es war mein Raum.“ Der Kontrast zwischen dem engen sozialen Gefüge der Kleinstadt und der Weite der internationalen Breakingszene war für ihn prägend. „In Herford passiert ab 18 Uhr nichts mehr. Alles ist weit weg – Battles, Vorbilder, Szene. Also wusste ich: Wenn ich raus will, muss ich so gut werden, dass ich auf internationalem Level tanzen kann.“
Ein Mentor aus der Nachbarschaft
Eine weitere Schlüsselfigur war B-Boy Snoop, Mitglied der Flying Steps, der aus einer Nachbarstadt stammt. Wenn er in der Heimat war, trainierten alle zusammen – in einem Raum, der wegen seiner Bedeutung für die Crew „Tempel“ genannt wurde. Ruhig, konzentriert, fokussiert. Dort wurden Moves verfeinert und perfektioniert, für die Amin heute unter anderem bekannt ist: Headspin, Elbow Airflare, Airflare. „Snoop hat mich inspiriert, meine Technik geschliffen. Das hat mich auf ein neues Level gebracht.“
Heute: Bühne statt Betonboden
Heute steht Amin dort, wo früher unerreichbare Vorbilder standen – als Performer, Lehrer, Vorbild, Choreograph. Und am 14. März 2026 tanzt er in der Eröffnung des Wiener HipHop Balls. Eine Choreografie, die Breaking und Wiener Walzer aufeinandertreffen lässt.
Es ist nicht nur eine Performance. Es ist eine Brücke – zwischen Urbanem und klassischem Ballsaal, zwischen Kindheitstraum und gelebter Realität.


