Der gemeinnützige Verein Calle Libre bringt seit über einem Jahrzehnt neue Strömungen aus Urban Art und Street Art nach Wien und macht sie im öffentlichen Raum sichtbar. 2014 gegründet, hat sich Calle Libre inzwischen zu einer der bedeutendsten Plattformen für Urban Art in Mitteleuropa entwickelt, die künstlerische Ausdrucksformen aus aller Welt zusammenbringt. Ziel des Vereins ist es, Kunst in die Mitte der Gesellschaft zu rücken, neue Diskurse anzustoßen und den öffentlichen Raum als kulturelles Forum zu stärken. Im Zentrum der Arbeit steht das alljährliche Calle Libre Festival, das sich seit seinen Anfängen von einem kleinen Street Art Event in ein internationales Festival mit breitem gesellschaftlichen Impact und vielfältigem Begleitprogramm verwandelt hat. Was als Experiment begann, ist heute ein offener, lebendiger Ort der Begegnung, an dem Hausfassaden zur Leinwand werden und Wien für kurze Zeit zur größten Open-Air-Galerie Österreichs wird.
Ein zentrales Anliegen des Festivals ist es, die vielfältigen Facetten der Urban Art jenseits von Klischees wie „Graffiti = Vandalismus“ zu zeigen und das Publikum an die Kunstform heranzuführen. Durch großformatige Murals, Installationen, Screen Prints und performative Aktionen wird Street Art als zeitgenössische Kunstform mit eigener Ästhetik und Aussagekraft sichtbar gemacht. Jedes Festivaljahr steht unter einem eigenen Thema, das gesellschaftliche Fragestellungen, Zukunftsentwürfe oder gemeinschaftliche Werte reflektiert. So stand das Calle Libre Festival 2025 unter dem Motto „Youtopia“ – einer Wortschöpfung aus “you” und “utopia” -, die dazu einlud, gemeinsame Visionen von einer besseren, kreativeren Welt zu entwickeln und in Farbe und Form zu gießen. Während des Festivals verwandeln nationale und internationale Künstler:innen mehrere ausgewählte Wände eines Wiener Bezirks in beeindruckende, oft über 300 Quadratmeter große Murals, die nicht nur ästhetisch beeindrucken, sondern auch Geschichten, kulturelle Identität und gesellschaftliche Botschaften transportieren. 2025 fand das Festival im 12. Wiener Gemeindebezirk Meidling statt, mit Werken von Künstler:innen aus Argentinien, Portugal, China, Spanien, Nigeria, Mexiko, Österreich und Marokko. Über mehrere Tage verteilt gibt es Live Paintings, öffentliche Workshops, Blockpartys, Guided Tours durch die urbanen Kunstlandschaften Wiens sowie Abendveranstaltungen mit Musik und Austausch. Geführte Urban Art Tours führen kleine Gruppen zu bekannten und versteckten Kunstwerken und liefern Hintergrundwissen zur Entstehung, Technik und Geschichte der Wandmalereien.



Besonders wichtig ist Calle Libre die Partizipation. Workshops bieten Besucher:innen jeden Alters die Chance, selbst aktiv zu werden: mit Spraydosen, Stencils oder im kreativen Dialog mit den Künstler:innen. Diese praxisorientierten Module verbinden Theorie und Praxis, regen zur eigenen künstlerischen Auseinandersetzung an und fördern ein tieferes Verständnis dafür, wie Urban Art wirkt und entsteht. Das Engagement des Vereins reicht inzwischen weit über das Festival hinaus. Durch Kooperationen mit Kulturinstitutionen, Museen, Theatern und Bildungsinitiativen werden ganzjährige Projekte realisiert, die Urban Art mit gesellschaftlichen Themen verknüpfen. Dazu zählen Ausstellungen, Künstler:innen-Talks, Publikationen, pädagogische Programme sowie kuratierte Projekte im öffentlichen Raum.
Ein herausragendes Beispiel für die internationale Reichweite von Calle Libre war 2024 das bis dahin größte Mural Wiens am Vienna International Centre, bei dem der australische Street-Art-Künstler Fintan Magee im Auftrag der Vereinten Nationen ein monumentales Werk zu den Sustainable Development Goals gestaltete. Ein Symbol dafür, wie Urban Art globale Themen sichtbar machen kann.
2026 beginnt ein neues Kapitel: Gemeinsam mit dem Wiener HipHop Ball entsteht ein Crossover-Format, das Urban Art mit den Ausdrucksformen der HipHop-Kultur verknüpft. Inklusive Raumkonzept, Vernissage, Live-Paintings und künstlerischen Interventionen. Hier wird Kunst live erlebbar und verbindet Musik, Tanz und visuelle Kultur zu einem gesellschaftlichen Ereignis, das die Grenzen zwischen Szene, Stadt und Publikum weiter auflöst.


